FACHBEITRAG · ZEITWIRTSCHAFT
Wie lange rüsten Sie wirklich? Rüstzeit vom letzten bis zum nächsten Gutteil messen
Kurz gesagt: Die tatsächliche Rüstzeit reicht vom letzten Gutteil des alten Auftrags bis zum ersten stabilen Gutteil des neuen. Der sichtbare Maschinenstillstand ist nur ein Teil davon.
Wie lange Ihre Teams wirklich rüsten, zeigt sich erst, wenn Vorbereitung, Einstellen, Probeteile und Freigabe mitgemessen werden – die größten Hebel liegen meist außerhalb der Maschine.
Der wichtigste Schritt ist die Trennung interner und vorbereitbarer Tätigkeiten – und die getrennte Kalkulation von Rüst- und Stückzeit.
Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die Rüstzeit analysieren, den Rüstablauf messen und verkürzen – und wo beim Produktwechsel Zeit verloren geht. Mit Vorgehen, Checkliste und Rechenbeispiel.
Rüstzeitanalyse
Der Stillstand ist nur der sichtbare Teil
In vielen Betrieben endet die gemessene Rüstzeit, sobald die Maschine wieder läuft. Die eigentlichen Verluste liegen oft davor und danach:
- Werkzeuge, Vorrichtungen oder Messmittel werden erst gesucht, wenn die Maschine steht
- Material, Programme oder Zeichnungen sind nicht bereitgestellt
- Einstellvorgänge dauern je nach Mitarbeiter und Schicht sehr unterschiedlich lang
- Probeteile, Korrekturen und Nacharbeit ziehen den Anlauf in die Länge
- die Qualitätsfreigabe wartet auf eine Person, die gerade woanders ist
„Rüstzeit lässt sich nur verbessern, wenn der Ablauf vollständig und in der richtigen Reihenfolge betrachtet wird.“Andreas Oschatz, Geschäftsführer Oschatz Consulting GmbH
Interne und vorbereitbare Tätigkeiten trennen
Der wichtigste Schritt ist die Trennung in zwei Gruppen. Interne Tätigkeiten sind nur bei stehender Maschine möglich, etwa der Werkzeugwechsel. Vorbereitbare Tätigkeiten lassen sich erledigen, während die Maschine noch den alten Auftrag fertigt: Werkzeug holen, Material bereitstellen, Programm laden, Messmittel prüfen.
In der Praxis fällt ein erheblicher Teil der Stillstandszeit auf Tätigkeiten, die schon vorher hätten erledigt werden können. Genau dort liegt der schnellste Hebel – ganz ohne neue Technik.
So wird der Rüstablauf messbar
- Rüstvorgang abgrenzen: Start ist das letzte Gutteil des alten Auftrags, Ende das erste stabile Gutteil des neuen.
- Jeden Schritt einzeln erfassen: Mit einer REFA-Zeitstudie werden Ablaufabschnitte, Wartezeiten und Wege sichtbar.
- Mehrere Rüstvorgänge vergleichen: Unterschiede zwischen Varianten, Schichten und Personen zeigen, wo ein Standard fehlt.
- Tätigkeiten einordnen: intern oder vorbereitbar, notwendig oder vermeidbar.
- Standard festlegen: feste Reihenfolge, Rüstwagen oder Checkliste, klare Zuständigkeit für Freigaben.
Checkliste für den nächsten Rüstvorgang
- ☐Liegen Werkzeug, Vorrichtung und Messmittel bereit, bevor die Maschine stoppt?
- ☐Sind Material, Programm und Unterlagen für den Folgeauftrag vollständig?
- ☐Gibt es eine schriftliche Rüstreihenfolge, die alle Schichten nutzen?
- ☐Ist klar, wer die Erstteilfreigabe macht – und ist diese Person erreichbar?
- ☐Wird die Rüstzeit bis zum ersten stabilen Gutteil erfasst?
Rüst- und Stückzeit getrennt kalkulieren
Sinkende Losgrößen machen Rüstzeit teurer. Wird sie in der Kalkulation auf die Stückzeit umgelegt, stimmen die Preise nur bei der ursprünglich angenommenen Losgröße. Bei kleinen Losen wird der Auftrag unrentabel, bei großen zu teuer angeboten.
Eine getrennte Planzeitermittlung für Rüst- und Stückzeit macht Kapazitätsplanung und Angebote belastbar. Woran man überholte Werte erkennt, zeigt der Beitrag Veraltete Vorgabezeiten erkennen.
Ein Rechenbeispiel
Rechenbeispiel mit typischen Größenordnungen: Für ein Bearbeitungszentrum sind 40 Minuten Rüstzeit hinterlegt. Die Zeitstudie vom letzten bis zum ersten stabilen Gutteil ergibt im Mittel 65 Minuten. Davon entfallen rund 20 Minuten auf Tätigkeiten, die vorbereitet werden könnten: Spannmittel suchen, Messmittel holen, auf die Erstteilfreigabe warten. Bei 8 Rüstvorgängen pro Woche sind das über 2,5 Stunden Maschinenzeit – jede Woche. Ein Rüstwagen und eine feste Freigaberegel holen diese Zeit zurück, ohne neue Technik.
Häufige Fragen
Ist das SMED?
Die Trennung interner und externer Tätigkeiten ist der Kern von SMED. Die Zeitstudie liefert dafür die belastbare Ausgangsbasis.
Wie viele Rüstvorgänge muss man messen?
Für eine erste Einschätzung reichen oft fünf bis zehn Vorgänge je Variante. Für neue Planzeiten braucht es mehr.
Lohnt sich das bei wenigen Rüstvorgängen pro Woche?
Ja, wenn die Rüstzeit in die Kalkulation eingeht. Dann wirkt jeder Fehler auf jedes Angebot.
Sie möchten wissen, wie viel Zeit Ihre Rüstvorgänge wirklich kosten?
In 30 Minuten klären wir, wie sich Ihr Rüstablauf messen lässt – persönlich mit Andreas Oschatz, kostenlos und unverbindlich. Weiterführend: Ablauf- und Prozessanalyse, Vorgabezeiten in der Fertigung ermitteln.