FACHBEITRAG · ZEITWIRTSCHAFT
Rüstzeit analysieren: Ablauf messen und Verbesserungen prüfen
Wie lange dauert Ihr Produktwechsel – und welche Tätigkeiten binden dabei Maschine und Personal? Eine Rüstzeitanalyse schafft die Grundlage für gezielte Verbesserungen.
Legen Sie Start, Erstteilfreigabe und stabilen Anlauf eindeutig fest. Erfassen Sie Vorbereitung und Maschinenstillstand getrennt.
Prüfen Sie, welche internen Tätigkeiten sich vorbereiten lassen und wie sich Rüst- und Stückzeiten getrennt kalkulieren lassen.
Mit Vorgehen, Checkliste und illustrativem Zahlenbeispiel.
Andreas Oschatz · Oschatz Consulting GmbH · Aktualisiert am 31. Oktober 2026
Rüstzeitanalyse
Der Stillstand ist nur der sichtbare Teil
In vielen Betrieben endet die gemessene Rüstzeit, sobald die Maschine wieder läuft. Die eigentlichen Verluste liegen oft davor und danach:
- Werkzeuge, Vorrichtungen oder Messmittel werden erst gesucht, wenn die Maschine steht
- Material, Programme oder Zeichnungen sind nicht bereitgestellt
- Einstellvorgänge dauern je nach Mitarbeiter und Schicht sehr unterschiedlich lang
- Probeteile, Korrekturen und Nacharbeit ziehen den Anlauf in die Länge
- die Qualitätsfreigabe wartet auf eine Person, die gerade woanders ist
„Rüstzeit lässt sich nur verbessern, wenn der Ablauf vollständig und in der richtigen Reihenfolge betrachtet wird.“Andreas Oschatz, Geschäftsführer Oschatz Consulting GmbH
Interne und vorbereitbare Tätigkeiten trennen
Der wichtigste Schritt ist die Trennung in zwei Gruppen. Interne Tätigkeiten sind nur bei stehender Maschine möglich, etwa der Werkzeugwechsel. Vorbereitbare Tätigkeiten lassen sich erledigen, während die Maschine noch den alten Auftrag fertigt: Werkzeug holen, Material bereitstellen oder Meßmittel prüfen. Ob etwa das Laden eines Programms bei laufender Maschine möglich ist, hängt von Anlage, Ablauf und freigegebenem Verfahren ab.
Prüfen Sie für jeden Schritt, ob er außerhalb des Maschinenstillstands möglich ist. Die Verlagerung kann Stillstand verkürzen, beansprucht aber weiterhin Personalzeit und benötigt verfügbare Ressourcen. Erforderliche Schutzmaßnahmen und Freigaben bleiben Bestandteil des Ablaufs.
So wird der Rüstablauf messbar
- Rüstvorgang abgrenzen: Legen Sie die Meßgrenze fest, beispielsweise vom letzten Gutteil des alten bis zum ersten freigegebenen Gutteil des neuen Auftrags. Definieren Sie zusätzlich, wann der Anlauf als stabil gilt. Erfassen Sie externe Vorbereitung und Personalaufwand separat; parallele Tätigkeiten dürfen nicht als zusätzliche Maschinenstillstandszeit addiert werden.
- Jeden Schritt einzeln erfassen: Mit einer REFA-Zeitstudie werden Ablaufabschnitte, Wartezeiten und Wege sichtbar.
- Mehrere Rüstvorgänge vergleichen: Vergleichen Sie gleiche Wechselarten und dokumentieren Sie Werkzeuge, Material und Rahmenbedingungen. Unterschiede liefern Hinweise; sie beweisen für sich allein keinen fehlenden Standard.
- Tätigkeiten einordnen: intern oder vorbereitbar, notwendig oder vermeidbar.
- Standard festlegen: feste Reihenfolge, Rüstwagen oder Checkliste, klare Zuständigkeit für Freigaben.
Checkliste für den nächsten Rüstvorgang
- ☐Liegen Werkzeug, Vorrichtung und Messmittel bereit, bevor die Maschine stoppt?
- ☐Sind Material, Programm und Unterlagen für den Folgeauftrag vollständig?
- ☐Gibt es eine schriftliche Rüstreihenfolge, die alle Schichten nutzen?
- ☐Ist klar, wer die Erstteilfreigabe macht – und ist diese Person erreichbar?
- ☐Wird die Rüstzeit bis zum ersten stabilen Gutteil erfasst?
Rüst- und Stückzeit getrennt kalkulieren
Bei kleineren Losen steigt der Rüstzeitanteil je Stück. Rechnen Sie deshalb auftragsbezogen: Gesamtzeit = Rüstzeit + Menge × Stückzeit. Ein pauschaler Rüstanteil je Stück verzerrt den Zeitbedarf, wenn die tatsächliche Losgröße von der Kalkulationsbasis abweicht. Maschinenbelegung und Personalzeit sind getrennt zu betrachten.
Eine getrennte Planzeitermittlung für Rüst- und Stückzeit macht Kapazitätsplanung und Angebote belastbar. Woran man überholte Werte erkennt, zeigt der Beitrag Veraltete Vorgabezeiten erkennen.
Illustratives Rechenbeispiel
Frei gewähltes Zahlenbeispiel, kein dokumentiertes Projektergebnis: Ein Rüstvorgang dauert 65 Minuten statt der hinterlegten 40 Minuten. Als prüfbares Potential werden 20 Minuten Stillstand je Wechsel angenommen. Bei acht vergleichbaren Wechseln ergeben sich 20 × 8 = 160 Minuten, also 2 Stunden 40 Minuten pro Woche. Das ist keine zugesagte Einsparung: Ein Pilot muß zeigen, welcher Anteil tatsächlich entfällt und welcher zusätzliche Vorbereitungsaufwand entsteht. Freigabezeiten lassen sich nicht ohne Prüfung vollständig vorverlagern.
Häufige Fragen
Ist das SMED?
Die Trennung interner und externer Tätigkeiten ist der Kern von SMED. Die Zeitstudie liefert dafür die belastbare Ausgangsbasis.
Wie viele Rüstvorgänge muss man messen?
Eine pauschale Zahl genügt nicht. Der Umfang hängt von Wechselarten, Streuung, Rahmenbedingungen und gewünschter Genauigkeit ab. Eine Probeerfassung hilft, die weitere Aufnahme zu planen; seltene Wechsel und nicht erfaßte Situationen werden als Grenze ausgewiesen.
Lohnt sich das bei wenigen Rüstvorgängen pro Woche?
Das hängt von Rüstdauer, Engpaßwirkung, Kalkulationsrelevanz und Analyseaufwand ab. Auch wenige lange Wechsel können relevant sein; den erwarteten Nutzen sollten Sie vorab gegen den Aufwand abwägen.
Sie möchten wissen, wie viel Zeit Ihre Rüstvorgänge wirklich kosten?
In 30 Minuten klären wir, wie sich Ihr Rüstablauf messen lässt – persönlich mit Andreas Oschatz, kostenlos und unverbindlich. Weiterführend: Ablauf- und Prozessanalyse, Vorgabezeiten in der Fertigung ermitteln.