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FACHBEITRAG · ZEITWIRTSCHAFT

Zeitstudie oder Multimomentstudie – welches Verfahren ist richtig?

Zeitstudie und Multimomentstudie sind zwei unterschiedliche Verfahren der Arbeitszeitanalyse – und keine Varianten desselben Ansatzes. Dieser Beitrag stellt beide Methoden gegenüber und hilft Ihnen, das richtige Verfahren zu wählen.

Die Zeitstudie beantwortet, wie lange ein definierter Ablauf dauert, und liefert detaillierte Ablauf- und Zeitwerte.

Die Multimomentstudie beantwortet, womit Zeit über einen längeren Zeitraum verbracht wird, und liefert statistische Tätigkeits- und Zustandsanteile.

Bei komplexen Fragestellungen können beide Methoden aufeinander aufbauen: Verteilungsanalyse zeigt Schwerpunkte, Detailmessung klärt den konkreten Zeitbedarf.

Autor: Andreas Oschatz, Oschatz Consulting GmbH – Unternehmensberatung für Produktivität, Zeitwirtschaft und Prozessverbesserung. Stand: September 2026.

METHODENWAHL

Zeitstudie oder Multimomentstudie: die passende Methode wählen

Die Methoden beantworten unterschiedliche Fragen. Eine Zeitstudie untersucht den Zeitbedarf eines definierten Ablaufs; eine Multimomentstudie ermittelt Anteile von Tätigkeiten und Zuständen über einen längeren Zeitraum.

Zeitstudie: Wie lange?
Geeignet für wiederholbare Abläufe, Vorgabezeiten und die detaillierte Analyse einzelner Arbeitsschritte.
Multimomentstudie: Womit?
Geeignet für Tätigkeitsverteilungen, Auslastung und Verlustanteile über längere Zeiträume.
Ergebnis passend zur Frage
Zeitstudien liefern Ablauf- und Zeitwerte; Multimomentstudien statistische Tätigkeits- und Zustandsanteile.
Methoden kombinieren
Bei komplexen Problemen können beide Methoden aufeinander aufbauen und Detailzeit mit Verteilungsanalyse verbinden.

Die Methodenwahl wird aus Untersuchungsfrage, Prozessart und gewünschtem Ergebnis abgeleitet – als Teil der Leistungsübersicht, nicht als Entscheidung nach Gewohnheit.

VERGLEICH

Die beiden Verfahren im direkten Vergleich

Eine Zeitstudie erfaßt die Dauer definierter Ablaufabschnitte unter dokumentierten Bedingungen. Bei beeinflußbaren Tätigkeiten kann die Leistungsgradbeurteilung in die Herleitung der Sollzeiten eingehen. Eine Multimomentstudie erfaßt dagegen zu zufällig verteilten Zeitpunkten die beobachteten Tätigkeiten oder Zustände. Daraus werden Anteile geschätzt. Ihre Aussagekraft hängt unter anderem vom Beobachtungsplan, der Zahl der Notierungen, klaren Kategorien und der Repräsentativität ab. Beide Verfahren benötigen ein festgelegtes Untersuchungsziel.

Zeitstudie: Wie lange dauert dieser Ablauf?
Ergebnis sind Ist-, Normal-, Vorgabe- oder Planzeiten. Geeignet für wiederholbare, klar abgegrenzte Abläufe, etwa für Kalkulation, Vorgabezeiten und Personalbedarf.
Multimomentstudie: Wie verteilt sich die Arbeitszeit?
Ergebnis sind Anteile in Prozent, keine Zeit je Vorgang. Geeignet für mehrere Arbeitsplätze, längere Zeiträume und Auslastung, Verlustzeiten und Schwerpunkte.
Grenze der Zeitstudie
Die Ergebnisse gelten für die aufgenommenen Abläufe und dokumentierten Bedingungen. Wenige ausgewählte Messungen bilden nicht automatisch die Tätigkeitsverteilung eines ganzen Bereichs oder aller Schichten ab. Dafür sind ein geeigneter Erhebungsplan und gegebenenfalls ergänzende Verfahren erforderlich.
Grenze der Multimomentstudie
Sie schätzt Anteile mit einer vom Stichprobenumfang und Untersuchungsplan abhängigen Unsicherheit. Sie mißt nicht die Dauer eines einzelnen Vorgangs. Seltene Zustände können viele Notierungen erfordern. Ursachen und wirtschaftlich nutzbare Verbesserungen müssen gesondert untersucht werden.

Mehr zur Zeitstudie und zum Ablauf einer Untersuchung finden Sie auf der Leistungsseite zu REFA-Zeitstudien.

ENTSCHEIDUNGSHILFE

Entscheidungshilfe für Ihre Methodenwahl

Ausgangspunkt ist die Entscheidung, die Sie mit den Ergebnissen treffen möchten. Klären Sie dazu Untersuchungsfrage, Wiederholbarkeit der Abläufe, benötigte Genauigkeit und den betrachteten Zeitraum. Eine Kombination kann sinnvoll sein; sie ist kein Pflichtprogramm.

Dauer oder Verteilung?
Brauchen Sie die Dauer eines bestimmten Ablaufs oder die Verteilung der Zeit über einen Bereich? Die Leitfrage entscheidet über das Verfahren.
Ablauf oder Mix an Tätigkeiten?
Ist der Ablauf wiederholbar und klar abgegrenzt, oder verteilt sich die Arbeit auf viele unterschiedliche Tätigkeiten? Im ersten Fall passt die Zeitstudie, im zweiten die Multimomentstudie.
Kalkulation oder Verlustschwerpunkte?
Soll das Ergebnis in Kalkulation oder Vorgabezeit einfließen, oder sollen Verlustschwerpunkte sichtbar werden? Dazu zählen auch die Zahl der Arbeitsplätze oder Maschinen und die verfügbare Beobachtungszeit.
Beide Verfahren kombinieren
Eine Multimomentstudie kann zunächst Tätigkeits- und Verlustschwerpunkte aufzeigen. Eine anschließende Zeitstudie kann ausgewählte Abläufe genauer untersuchen. Reihenfolge und Umfang richten sich nach der Fragestellung. Ein hoher Verlustanteil allein beweist weder die Ursache noch eine vollständig nutzbare Einsparung.

Mehr zur Frage, wann sich welches Verfahren lohnt, finden Sie im Beitrag Wann lohnt sich eine Multimomentstudie?. Ein dokumentiertes Praxisbeispiel aus Montage und Verpackung zeigt das Vorgehen.

Wie belastbar sind Ihre Zeitdaten?
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Andreas Oschatz

Oschatz Consulting GmbH

Unternehmensberater für Produktivität, Zeitwirtschaft und Prozessverbesserung

  • REFA-orientierte Zeitstudien und Multimomentstudien
  • Analyse von Personalbedarf, Kapazitäten und Verlustzeiten
  • Belastbare Plan- und Vorgabezeiten
  • Maßnahmenplanung und Umsetzungsbegleitung
  • Persönlich, methodisch fundiert und praxisorientiert
  • Direkter Kontakt: +49 172 745 94 48
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