FACHBEITRAG · PRODUKTIVITÄTSANALYSE
Wie misst man Verlustzeiten in der Produktion?
Verlustzeiten messen heißt: vermeidbare Unterbrechungen sichtbar machen und ihre Ursachen gezielt prüfen.
Trennen Sie notwendige Tätigkeiten von Störungen, Suchwegen und vermeidbarem Warten.
Der Beitrag erklärt Kategorien, Methodenwahl und Auswertung in vier Schritten.
Ziel sind begründete Maßnahmen und ein nachvollziehbarer Nachweis ihrer Wirkung.
Andreas Oschatz · Oschatz Consulting GmbH · Aktualisiert am 31. Oktober 2026
PRODUKTIVITÄT
Verlustzeiten in der Produktion sichtbar und messbar machen
Definieren Sie vor der Messung die Bezugszeit und eindeutig abgrenzbare Tätigkeits- und Zustandsarten. Notwendiges Rüsten, Prüfen oder Transportieren ist nicht pauschal vermeidbare Verlustzeit. Unterscheiden Sie erforderliche Anteile von Störungen und Verbesserungsmöglichkeiten. Multimomentstudien schätzen Zustands- beziehungsweise Zeitanteile; für Häufigkeit und Dauer einzelner Unterbrechungen ist eine ergänzende Ereigniserfassung nötig. Gleichen Sie die Ergebnisse mit MES- oder BDE-Daten auf derselben Zeitbasis ab.
- Warten und Unterbrechungen
- Material, Freigaben, Informationen und ungeplante Störungen verursachen messbare Stillstands- und Warteanteile.
- Wege, Suchen und Rüsten
- Trennen Sie notwendige Wege und Rüstschritte von vermeidbarem Suchen, Doppelwegen und Warteanteilen. Bewerten Sie Verbesserungen anhand vergleichbarer Aufträge und Wechsel.
- Methode passend wählen
- Zeitstudien eignen sich für kurze wiederholbare Abläufe; Multimomentstudien für verteilte Tätigkeiten und längere Zeiträume.
- Ursache vor Maßnahme
- Verlustanteil, Ursache und Beeinflussbarkeit werden gemeinsam bewertet und in priorisierte Maßnahmen übersetzt.
Die geeignete Messmethode wird in einer Produktivitätsanalyse, Zeitstudie oder Multimomentstudie aus der Fragestellung abgeleitet.
QUELLEN
Typische Quellen von Verlustzeiten
Die folgenden Gruppen helfen, Auffälligkeiten zu ordnen. Nicht jede aufgeführte Tätigkeit ist vermeidbar: Erforderliche Rüst-, Prüf- und Transportzeiten werden getrennt von Störungen und unnötigem Aufwand bewertet. Ordnen Sie jeden erfaßten Anteil eindeutig zu, damit Überschneidungen nicht doppelt gezählt werden.
- Organisation
- Warten auf Material, Freigaben, Aufträge oder Anweisungen sowie unklare Zuständigkeiten.
- Technik
- Störungen, Rüsten, Werkzeugwechsel und Wartezeiten an Maschinen.
- Material und Logistik
- Suchen, Holen, ungeplante Wege und fehlende Bereitstellung.
- Qualität und Qualifikation
- Nacharbeit, Probeteile und zusätzliche Prüfschritte sowie fehlende Einweisung und Rückfragen im Ablauf.
Welches Verfahren zur Fragestellung passt, beschreibt der Beitrag Wann lohnt sich eine Multimomentstudie?.
MESSEN
Messen in vier Schritten
Diese vier Schritte schaffen eine nachvollziehbare Grundlage für die Auswertung. Stimmen Sie Ziel, Ablauf und Verwendung der Ergebnisse vorab mit den Beteiligten ab.
- 1. Kategorien definieren
- Legen Sie Bezugszeit, betrachtete Arbeitsplätze und eindeutige Kategorien mit Beispielen fest. Stimmen Sie Grenzfälle mit den Beteiligten ab und prüfen Sie die Zuordnung in einer kurzen Probeerfassung.
- 2. Verfahren wählen
- Wählen Sie nach der benötigten Aussage: Zeitstudien erfassen Ablaufdauern, Multimomentstudien schätzen Zustandsanteile. Für Anzahl und Dauer einzelner Störungen ergänzen Sie eine Ereigniserfassung.
- 3. Repräsentativ beobachten
- Berücksichtigen Sie relevante Schichten, Auftragsarten und Betriebssituationen. Planen Sie Beobachtungszeitpunkte und Stichprobenumfang passend zur gewünschten Genauigkeit; weisen Sie seltene oder nicht erfaßte Situationen als Grenze aus.
- 4. Ergebnisse nachvollziehbar auswerten
- Dokumentieren Sie Bezugszeit, Anzahl der Beobachtungen und Unsicherheit. Werten Sie nach Tätigkeit, Bereich oder Schicht aus und beschränken Sie personenbezogene Angaben auf das für den vereinbarten Zweck Erforderliche. Leiten Sie Ursachen nicht allein aus Zeitanteilen ab.
Wie sich notwendige Rüstschritte und vermeidbare Anteile unterscheiden lassen, zeigt der Beitrag Rüstzeit analysieren.
MASSNAHMEN
Vom Messwert zur Maßnahme
Priorisieren Sie Maßnahmen nach vermeidbarem Anteil, Ursache, Durchsatzwirkung und Aufwand. Ein gemessener Zeitanteil ist zunächst ein Untersuchungsbefund, noch keine realisierte Einsparung. Halten Sie für jede Maßnahme Ziel, Verantwortliche, Termin und Prüfkriterium fest.
- Verlustanteil bewerten
- Bewerten Sie Größe und vermeidbaren Anteil gemeinsam. Prüfen Sie, ob eine Verringerung den Engpaß entlastet, die Lieferfähigkeit verbessert oder Kapazität für andere Aufgaben freisetzt.
- Beeinflussbarkeit prüfen
- Prüfen Sie die vermutete Ursache vor Ort und benennen Sie beteiligte Schnittstellen. Testen Sie den Lösungsansatz zunächst in einem abgegrenzten Bereich, bevor Sie ihn übertragen.
- Aufwand abschätzen
- Stellen Sie erwarteten Nutzen, Investition, Umsetzungsaufwand und laufende Kosten gegenüber. Freigesetzte Zeit wird erst durch ihre konkrete Nutzung oder vermeidbare Kosten zu einem wirtschaftlichen Vorteil.
- Wirksamkeit kontrollieren
- Vergleichen Sie Vorher und Nachher mit gleichen Definitionen und vergleichbarem Auftragsmix. Prüfen Sie neben Zeitanteilen auch Durchsatz und Qualität; dokumentieren Sie andere Veränderungen und die Grenzen der Zuordnung.
Wie Maßnahmen im Betrieb umgesetzt und begleitet werden, beschreibt die Seite zur Umsetzungsbegleitung.